Pflegegrade und Zuschüsse 1)

Mit Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetzes am 1. Januar 2016 wurden die Weichen für einen grundlegend neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gestellt, der  ab dem 1. Januar 2017 gilt. Fünf neue Pflegegrade werden die bisherigen drei Pflegestufen ersetzen. Künftig erhalten alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind. Die Überleitung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch.



Pflegegrad 1 und Zuschüsse
  • Häusliche Pflege:        125,00 € im Monat                                                         Hier keine Geldleistung, sondern eine zweckgebundene Kostenerstattung
  • Verhinderungspflege: 1.612,00 € pro Jahr kann beantragt werden
  • Zusätzlich 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege, die für die Verhinderungspflege genutzt werden können: 806,00 € pro Jahr
  • Steuervorteile: Jährlich max. 4.000,00 € (monatlich max. 333,00 €2)
        
Pflegegrad 2 und Zuschüsse
  • Häusliche Pflege:          316,00 € Pflegegeld im Monat
  • Verhinderungspflege: 1.612,00 € pro Jahr kann beantragt werden
  • Zusätzlich 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege, die für die Verhinderungspflege genutzt werden können: 806,00 € pro Jahr
  • Steuervorteile: Jährlich max. 4.000,00 € (monatlich max. 333,00 €)  2)


Pflegegrad 3 und Zuschüsse

  • Häusliche Pflege:           545,00 € Pflegegeld im Monat 
  • Verhinderungspflege:  1.612,00 € pro Jahr kann beantragt werden
  • Zusätzlich 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege, die für die Verhinderungspflege genutzt werden können: 806,00 € pro Jahr
  • Steuervorteile: Jährlich max. 4.000,00 € (monatlich max. 333,00 €2)


Pflegegrad 4 und Zuschüsse

  • Häusliche Pflege:            728,00 € Pflegegeld im Monat
  • Verhinderungspflege:   1.612,00 € pro Jahr kann beantragt werden
  • Zusätzlich 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege, die für die Verhinderungspflege genutzt werden können: 806,00 € pro Jahr
  • Steuervorteile: Jährlich max. 4.000,00 € (monatlich max. 333,00 €)  2)


Pflegegrad 5 und Zuschüsse

  • Häusliche Pflege:             901,00 € Pflegegeld im Monat
  • Verhinderungspflege:    1.612,00 € pro Jahr kann beantragt werden 
  • Zusätzlich 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege, die für die Verhinderungspflege genutzt werden können: 806,00 € pro Jahr
  • Steuervorteile: Jährlich max. 4.000,00 € (monatlich max. 333,00 €2)

1) Quelle: Bundesministerium für Gesundheit "Neuregelungen im Jahr 2017          
im Bereich Gesundheit und Pflege
"


2) Ergänzend zu den Fördermitteln gibt es noch die Möglichkeit max. 4.000,00 € jährlich steuerlich zu nutzen. Weitere Informationen erhalten Sie von Ihrem Steuer-berater. Die Prüfung der Steuervorteile sollten immer duch einen Steuerberater vor- genommen werden.

Die hier gemachten Angaben erheben keinen Anspruch auf  Vollständigkeit. Sie sind ein Auszug aus den möglichen Fördermitteln. Die genauen Zuschüsse sind von den individuellen Gegebenheiten abhängig.

Wer Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch nehmen will, muss vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in einen der Pflegegrade eingestuft werden. Dazu wird ein festgelegtes und komplexes Begutachtungssystem verwendet, das auf 6 Modulen beruht. Dieses System hat die Wolters Kluwer Deutschland GmbH | Akademische Arbeitsgemeinschaft in ihrem Rechner leicht verständlich umgesetzt. So können Sie selbstständig, unabhängig und kostenfrei eine erste Selbsteinschätzung vornehmen.

http://newsletter.steuertipps.de/go/3/25CEBO59-256S3WEI-256S3V4Y-QPOXN3.html


Feststellung der Einstufung pflegebedürftiger Menschen 3)

Bei der Begutachtung werden die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der  Fähigkeiten der Menschen in sechs verschiedenen Bereichen beurteilt:

1. Mobilität: (körperliche Beweglichkeit, zum Beispiel morgens aufstehen vom Bett und ins Badezimmer gehen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppen-steigen)

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und reden: zum Beispiel Orientierung über Ort und Zeit, Sachverhalte und begreifen, erkennen von Risiken, andere Menschen im Gespräch verstehen)

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zum Beispiel Unruhe in der Nacht oder Ängste und Aggressionen, die für sich und andere belastend sind, Abwehr pflegerischer Maßnahmen)

4. Selbstversorgung (zum Beispiel sich selbstständig waschen und ankleiden,  essen und trinken, selbständige Benutzung der Toilette)

5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapie-bedingten Anforderungen und Belastungen (zum Beispiel die Fähigkeit haben       die Medikamente selbst einnehmen zu können, die Blutzuckermessung selbst durchzuführen und deuten zu können oder gut mit einer Prothese oder dem   Rollator zurecht zu kommen, den Arzt selbständig aufsuchen zu können)

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (zum Beispiel die Fähigkeit haben den Tagesablauf selbständig zu gestalten, mit anderen Menschen in direkten Kontakte zu treten oder die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen)

Der Gutachter oder die Gutachterin des Medizinischen Dienstes wird sich ansehen, wie selbständig jemand ist und welche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten vorliegen. Erst aufgrund einer Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen erfolgt die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.

Den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen wird mit den Pflegestärkungsge-setzen I und II mehr Möglichkeiten gegeben, mit den Leistungen der Pflegever-sicherung entsprechend ihren Wünschen und ihrer Lebenssituation umzugehen.

3) Quelle: Bundesministerium für Gesundheit "Fragen und Antworten zum Pflege-stärkungsgesetz II"


Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Wenn Versicherte zu Hause gepflegt und betreut werden, kann es hilfreich sein,  das Wohnumfeld an ihre besonderen Belange anzupassen. Hierfür leistet die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse. Diese wurden zum 1. Januar 2015 deutlich angehoben. Ab Januar 2017 haben auch Leistungs-bezieherinnen und Leistungsbezieher im neuen Pflegegrad 1 Anspruch auf diese Zuschüsse.

Leistungen ab 2017 (max. Zuschuss je Maßnahme)

Pflegegrad 1-5

- 4.000,00 €                                                                                                                    - 16.000,00 € (wenn mehrere Antragsberechtigte zusammenwohnen)


Quelle:                                                                                                    Bundesministerium für Gesundheit "Alle Leistungen zum Nachschlagen